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Die kranke Seele

  • 12. Apr.
  • 2 Min. Lesezeit

Maimonides (Rambam) beschreibt in seinem Werk „Schemonah Perakim“ („Acht Kapitel“), der Einleitung zu den Pirkei Avot (Sprüche der Väter), einige grundlegende Ideen zur menschlichen Seele und Ethik. Ein wichtiges Bild, das er darin verwendet, ist das der kranken Seele (Nefesh Cholah).


Rambam vergleicht moralische oder spirituelle Abweichungen mit körperlichen Krankheiten. So wie ein Körper erkranken und behandelt werden kann, so kann auch die Seele erkranken und Heilung benötigen. Er erklärt hier, dass die Seele, wie der Körper, gesunde und ungesunde Zustände durchläuft.


Eine gesunde Seele befindet sich im Gleichgewicht: Wünsche, Gefühle und Verstand wirken harmonisch zusammen. Eine kranke Seele hingegen ist aus dem Gleichgewicht. Ihre Wünsche sind übermäßig oder fehlgeleitet. Jemand mag beispielsweise zu viel Wut zeigen, zu stolz sein oder umgekehrt zu wenig Ehre oder Mut besitzen.


Einige Beispiele: Jemand, der übermäßig geizig ist, ähnelt jemandem mit einer körperlichen Beeinträchtigung, der keinen guten Geschmackssinn hat: Sein moralisches Empfinden ist gestört. Jemand, der übermäßig wütend ist, leidet an einer psychischen Erkrankung, die behandelt werden muss, genau wie ein körperlich kranker Mensch eine Therapie benötigt.

Die Therapie nach Rambam ähnelt der eines Arztes.

Erkennen Sie die Abweichung. Sie müssen daher erkennen, welche Charaktereigenschaft aus dem Gleichgewicht geraten ist. Um dies zu beheben, muss man sich vorübergehend ins entgegengesetzte Extrem begeben.

1. Wer zu stolz ist, sollte Demut üben.

2. Wer zu geizig ist, sollte vorübergehend sehr großzügig werden.

3. Kehre dann zur Mitte zurück.


Der ideale Zustand ist der goldene Mittelweg. (derech haemtzait, die goldene Mitte)

Dies ist die moralische Gesundheit der Seele. Die „kranke Seele“ bei Rambam ist daher kein mystischer oder übernatürlicher Zustand, sondern ein ethisches und psychologisches Ungleichgewicht. Und der Mensch ist fähig, sich selbst zu heilen und zu verbessern. Er kann an seinem eigenen Tikkun arbeiten.


Für ihn (Rambam) ist Moral eine Art spirituelle Medizin. Der Weise ist wie ein Arzt der Seele, der das richtige Maß kennt und die Mittel besitzt, sie wiederherzustellen.

(Falls Sie diese acht Kapitel selbst lesen möchten, können Sie sie ganz einfach auf der Sefaria-Website finden.)


Verfasst von Marco Verhaar

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